Menü schließen
 
Artikel empfehlen:

Das Schallschutzprogramm

zum Ausbauvorhaben Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld

Mit dem Planfeststellungsbeschluss für das Vorhaben „Ausbau des Verkehrsflughafens Leipzig/Halle, Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld“ vom 04.11.2004 in der Fassung seiner Ergänzungen und Änderungen wurden  Auflagen zu umfangreichen Schallschutzmaßnahmen erteilt, die den Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm zum Inhalt haben. Da die Errichtung eines Frachtdrehkreuzes mit Schwerpunkt auf nächtlichem Flugverkehr einen wesentlichen Inhalt der Planungen darstellt, wurde dem Schutz des Nachtschlafes eine besondere Bedeutung beigemessen.

Die Flughafen Leipzig/Halle GmbH setzt diese Auflagen zum passiven Schallschutz im Rahmen des Schallschutzprogramms um.

Kriterien für den Schallschutz

Die Planfeststellungsbehörde, das Regierungspräsidium Leipzig (seit 01.08.2008 Landesdirektion Leipzig, seit 01.03.2012 Landesdirektion Sachsen), stützte sich bei der Auslegung der Nachtschutzkriterien insbesondere auf die Ergebnisse einer Studie des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V.) aus dem Jahre 2004.

In dieser Studie wurden die Auswirkungen von nächtlichem Fluglärm auf den Schlaf Betroffener untersucht und eine diesbezügliche Dosis-Wirkungs-Beziehung abgeleitet.

Die Studie des DLR hat gezeigt, dass auch niedrige Pegel den Schlaf stören können. Die Dosis-Wirkungs-Beziehung berücksichtigt, dass die Fluglärmereignisse in einer Nacht von niedrigen bis zu hohen Einzelpegeln streuen und jeweils unterschiedlichen Einfluss auf die Aufwachwahrscheinlichkeit haben.

Unter Laborbedingungen treten auch ohne Fluglärm pro Nacht im Mittel etwa 24 Aufwachreaktionen auf und es erfolgen sogar über 52-mal spontane Schlaftiefenwechsel.

Von diesen normalen Abläufen beim nächtlichen Schlaf wird dagegen das erinnerbare Aufwachen unterschieden.

Schutz der Nachtruhe

Das Regierungspräsidium Leipzig (seit 01.08.2008 Landesdirektion Leipzig, seit 01.03.2012 Landesdirektion Sachsen) hat nach eingehender Prüfung in seinem Planfeststellungsbeschluss festgelegt, dass durch den nächtlichen Fluglärm im Mittel weniger als eine zusätzliche Aufwachreaktion auftreten darf.

Dies bedeutet, dass pro Nacht im Mittel:

  • ein Drittel der Bevölkerung keinmal zusätzlich aufwacht,
  • ein weiteres Drittel einmal aufwacht,
  • ein Fünftel zweimal aufwacht und
  • weniger als 10 % dreimal oder öfter aufwachen.
  • Mit sechs oder mehr zusätzlichen Aufwachreaktionen ist nicht zu rechnen.

Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Aufwachreaktionen nicht mit erinnerbarem Aufwachen gleichzusetzen sind, wird so ein sehr hoher Schutz gewährleistet.

Nachtschutzgebiet

Resultierend aus diesen Festlegungen wurde in der Region des Flughafens Leipzig/Halle ein Nachtschutzgebiet festgesetzt, das in seinen Ausmaßen eine Länge von ca. 45 km und eine Breite von max. 6 km aufweist. Innerhalb dieses Nachtschutzgebiets ist der Flughafen Leipzig/Halle verpflichtet, passive Schallschutzmaßnahmen durchzuführen. Mit einer Fläche von 256 Quadratkilometern ist es mehr als dreimal so groß wie die nach den Maßgaben des 2007 novellierten Fluglärmgesetzes festgesetzte Schutzzone.

Das Nachtschutzgebiet basiert auf einer Prognose des Verkehrs im Jahre 2020, welche von 120.000 Flugbewegungen pro Jahr ausgeht. Derzeit verzeichnet der Flughafen jährlich ca. 64.000 Starts und Landungen.

Jährliche Überprüfung der Nachtschutzkriterien

Gemäß den Bestimmungen des Planfeststellungsbeschlusses vom 04.11.2004 erfolgen seit dem Frühjahr 2009 Überprüfungsberechnungen des Nachtschutzgebietes. Diese sind bis 2016 jährlich, dann alle drei Jahre, durchzuführen. Ziel der kontinuierlichen Überprüfung ist es zu ermitteln, ob sich zwischen dem prognostizierten und dem tatsächlichen Lärmaufkommen Differenzen ergeben. Ist dies der Fall, muss der passive Schallschutz angepasst werden.

Im Ergebnis der ersten turnusmäßigen Überprüfung wurde durch die Landesdirektion Leipzig (vormals Regierungspräsidium Leipzig, seit 1.3.2012 Landesdirektion Sachsen) 2009 das bis dato planfestgestellte Nachtschutzgebiet um ca. 44 km² erweitert. Dies war durch die im praktischen Betrieb überwiegende Nutzung der Start- und Landebahn Süd bedingt und führte dazu, dass sich die Zahl der Anspruchsberechtigten auf baulichen Schallschutz weiter erhöhte. Im Rahmen einer Meistbegünstigungsregelung wurde das Nachtschutzgebiet im nördlichen Teil des Flughafens nicht verkleinert.

Die Karte zum Nachtschutzgebiet steht hier zum Downloaden zur Verfügung.

 Nachtschutzgebiet

 

Umsetzung des Schallschutzprogramms (Ablauf)

  1. Antragstellung
    Nach Eingang der vollständig ausgefüllten Antragsunterlagen beauftragt die Flughafen Leipzig/Halle GmbH (FLHG) ein Ingenieurbüro, das mittels bauakustischer Berechnungen die im Einzelfall erforderlichen Schallschutzvorkehrungen ermittelt. Diese Berechnungen erfolgen auf Basis der Informationen im Antrag des Eigentümers auf Schallschutzmaßnahmen sowie ggf. durch eine Bestandsaufnahme vor Ort.

    Danach erhält der Antragsteller vom beauftragten Ingenieurbüro, der  Bauplan GmbH & Co. KG, einen individuellen Bericht mit den Baudaten, den Ergebnissen der Berechnungen sowie einer kurzen Zusammenfassung aller auszuführenden Schallschutzmaßnahmen.
     
  2. Erstellung eines individuellen Angebotes für jedes Wohnobjekt
    Ein von der Flughafen Leipzig/Halle GmbH beauftragter Dienstleister  (Fensterbaufirma) stimmt mit dem Antragsteller einen Vor-Ort-Termin zur detaillierten Bestandsaufnahme und dem Feinaufmaß ab und erstellt anschließend ein konkretes Angebot für die Ausführung der notwendigen Arbeiten.

    Das erstellte Angebot wird seitens der beauftragten Fensterbaufirma zur Prüfung an das oben genannte Ingenieurbüro übersendet und dort rechnerisch und auf Einhaltung der bauakustischen Anforderungen geprüft.
     
  3. Vereinbarung zwischen Antragsteller und FLHG und Auftragsauslösung
    Nach erfolgter Prüfung des Angebotes durch das Ingenieurbüro wird zwischen dem Antragsteller und der Flughafen Leipzig/Halle GmbH eine Vereinbarung zur Durchführung der Schallschutzmaßnahmen am jeweiligen Wohnobjekt geschlossen.

    Erst nach rechtsverbindlicher Unterzeichnung dieser Vereinbarung werden die auszuführenden Leistungen durch die Flughafen Leipzig/Halle GmbH schriftlich beauftragt. Im Anschluss an die Beauftragung stimmt die beauftragte Fachfirma einen Termin zum Einbau mit dem Antragsteller direkt ab. Anschließend erhalten der Antragsteller und das Ingenieurbüro je eine Kopie der Auftragsbestätigung.
     
  4. Termine, Bauüberwachung und Abnahme
    Das Ingenieurbüro nimmt die Bauüberwachung und die Abnahmebegehung zur Prüfung der Fertigstellung im Auftrag des Flughafens wahr.

    Der Beginn der Montage wird mindestens drei Tage im Voraus durch die Fensterbaufirma dem für Bauüberwachung zuständigen Ingenieurbüro mitgeteilt.

    Die beauftragte Fensterbaufirma wird nach Fertigstellung der Leistungen einen Abnahmetermin mit dem Antragsteller bzw. Eigentümer und dem Ingenieurbüro abstimmen. In diesem Termin erfolgt die Prüfung und Abnahme der Leistungen, ein Abnahmeprotokoll wird zur förmlichen Dokumentation erstellt.
     
  5. Auftragserteilung und Abnahme bei Einbau schallgedämmter Lüfter
    Die Beauftragung zum Einbau von schallgedämmten Lüftern erfolgt erst nach rechtsverbindlicher Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen Antragsteller und Flughafen Leipzig/Halle GmbH. Für den fachgerechten Einbau der schallgedämmten Lüfter vom Typ Siegenia Aeropac SN wird durch die Flughafen Leipzig/Halle GmbH direkt die Fachfirma Ingenieurtechnik Knut Fischer beauftragt.

    Die förmliche Abnahme der Leistungen hinsichtlich des Einbaus der schallgedämmten Lüfter erfolgt zwischen der Firma Ingenieurtechnik Knut Fischer und dem Antragsteller.
     
  6. Bezahlung der durch die Fensterbaufirma erbrachten Leistungen
    Die Abrechnung der Leistungen erfolgt direkt zwischen der Flughafen Leipzig/Halle GmbH und den von ihr beauftragten Firmen.
     
  7. Gewährleistung
    Mit erfolgreicher Abnahme aller erbrachten Leistungen gehen Schallschutzfenster, schallgedämmte Lüfter und/oder alle sonstigen Maßnahmen in das Eigentum des Antragstellers über. Dies gilt auch für Gewährleistungsansprüche aus den Verträgen der Flughafen Leipzig/Halle GmbH mit den beauftragten Firmen. Näheres wird in der abzuschließenden Vereinbarung geregelt.

 

Ausführliche Informationen zum genauen Ablauf der Umsetzung des Schallschutzprogramms der Flughafen Leipzig/Halle GmbH finden Sie hier.

Wie erfolgt die Dimensionierung der baulichen Schallschutzmaßnahmen?

Unter Dimensionierung wird die Festlegung der baulichen Schallschutzmaßnahmen auf Grund von Berechnungen verstanden.

Die Dimensionierung der baulichen Schallschutzmaßnahmen erfolgt in den folgenden Arbeitsschritten:

  1. Bestimmung der erforderlichen Außen-Innen-Pegeldifferenz ΔLA-I für den konkreten Standort
    Die  Außen-Innen-Pegeldifferenz bemisst die zu erreichende Pegelreduzierung.
  2. Ableitung des erforderlichen Gesamtbauschalldämmmaßes der Außenbauteile
    Das Gesamtbauschalldämmmaß bemisst die Schallschutzeigenschaften aller Bauteile.
  3. Bestimmung des vorhandenen Gesamtbauschalldämmmaßes der Außenbauteile und Vergleich mit dem erforderlichen Gesamtbauschalldämmmaß
  4. Ableitung des konkreten baulichen Handlungsbedarfes

Die Beschreibung des Vorgehens bei der Dimensionierung der baulichen Schallschutzmaßnahmen finden Sie hier zum Download:

 Dimensionierung der baulichen Schallschutzmaßnahmen

Mögliche bauliche Maßnahmen

Lüfter

LüfterUm den Schallschutz in Schlafräumen innerhalb des Nachtschutzgebietes zu gewährleisten, müssen die Fenster geschlossen werden. Zur Sicherstellung ausreichender lufthygienischer Bedingungen werden in die Schlafräume schallgedämmte Lüfter eingebaut. Diese Lüfter saugen Außenluft an, filtern sie und gewähren somit die Frischluftzufuhr.

 

Schallschutzfenster und Rollladenkästen

In Gebieten mit höherer Fluglärmbelastung können sichMontage von Schallschutzfenstern im Ergebnis der Dimensionierung weitere bauliche Maßnahmen erforderlich machen.

Diese können den Einbau von Schallschutzscheiben oder Schallschutzfenstern, die Dämmung von Rollladenkästen sowie bauliche Schutzmaßnahmen an Dachaußenflächen sowie Außenwänden umfassen.

Stand der Umsetzung des Schallschutzprogramms

Bis zum Ende der Antragsfrist am 31.12.2012 sind bei der Flughafen Leipzig/Halle GmbH (FLHG)  7.176 Interessenbekundungen für passive Schallschutzmaßnahmen eingegangen. Diese wurden nach einer formalen Vorprüfung bezüglich  der Lage innerhalb des Nachtschutzgebietes registriert. Den Antragstellern wurden Erläuterungen zum Ablauf des Verfahrens sowie weitere Antragsunterlagen (Datenblätter) übersandt.

Für 5.255 dieser Anträge wurden von den Antragstellern darauf hin alle notwendigen Nachweise erbracht und die Antragsunterlagen vollständig ausgefüllt. 22 weitere Anträge wurden nach erfolgter Überprüfung auf Grund nicht nachweisbarer Eigentümerstellung oder aus sonstigen Gründen abgelehnt, zurückgezogen oder anderen bereits laufenden Antragsvorgängen zugeordnet. Derzeit verbleiben 1.899 Anträge, für die durch die Antragsteller die für die Bearbeitung des Antrags notwendigen Unterlagen (insbesondere Nachweis der Eigentümerstellung) noch nicht bei der FLHG eingereicht wurden. Für diese Vorgänge ist eine weitere Antragsbearbeitung erst nach Übersendung aller notwendigen Unterlagen möglich.

Die Anträge mit vollständigen und geprüften Antragsunterlagen betreffen insgesamt 15.625 Wohneinheiten. Davon wurden in 11.509 Wohneinheiten, dies entspricht 74%, bereits alle notwendigen Schallschutzmaßnahmen realisiert. Aktuell befinden sich 2.673 Wohneinheiten, dies entspricht 17%, in der Bearbeitung. Für weitere 1.443 Wohneinheiten, und damit 9%, steht die Bestätigung der vorgesehenen Schallschutzmaßnahmen durch die Antragsteller (Rücksendung der unterzeichneten Vereinbarung) noch aus.

 

Für Rückfragen zur weiteren Abarbeitung Ihres Antrages stehen Ihnen die Mitarbeiter der Stabsstelle Lärm-/Umweltschutz des Leipzig/Halle Airports während der Bürozeiten oder per Mail zur Verfügung.