Flughafen Halle/Leipzig 1927-1945

Flughafen Halle Leipzig 1927

Kurz nach der Eröffnung des Hallenser Flugplatzes in Nietleben wurde den Verantwortlichen klar, dass dieser der explosiv wachsenden Nachfrage nicht gewachsen und zudem nicht ausreichend zu erweitern war. Parallel bemühte sich das Reichsverkehrsministerium um eine Neuordnung der Luftfahrt im mitteldeutschen Raum, sodass die Idee eines gemeinsamen Großflughafens für den Ballungsraum zwischen Halle und Leipzig entstand. Gegen den Widerstand der Leipziger und der Sächsischen Verantwortlichen wurde der Bau eines neuen Flughafens in Schkeuditz, zwischen beiden Städten gelegen, durchgesetzt.

Das Gesamtprojekt der Flughafenanlage entwarf Paul Thiersch, Rektor an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein. In der überaus kurzen Bauzeit von nur acht Monaten entstanden neben dem Flugfeld und seinen Anlagen eine Flugzeughalle und ein provisorisches Verwaltungsgebäude. Am 25. April 1927 nahm der nunmehr Flughafen Halle/Leipzig genannte Platz seine Arbeit auf. Bereits zwei Jahre später verzeichnete er mehr als 20.000 abgefertigte Passagiere, die zumeist die drei internationalen und neun innerdeutschen Verbindungen genutzt hatten.

Das Ensemble der Flughafenbauten wurde zwischen Juni 1930 und dem Frühjahr 1931 durch ein Flughafen-Restaurant erweitert, das den architektonischen Höhepunkt der Anlage markierte: Hans Wittwer, Thierschs Nachfolger an der Burg Giebichenstein, entwarf einen luftigen, lichten und funktionalen Baukörper, der seine Wirkung aus den Kontrasten von Solidität und graziler Anmut, von Geschlossenheit und Transparenz bezog. So wurde der Flugplatz zu einem beliebten Ausflugsziel und zog schon im ersten Jahr nach der Restauranteröffnung rund 60.000 Schaulustige an.

Zwischen 1936 und 1938 entstand ein neues Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude, entworfen und ausgestattet im Baustil des Nationalsozialismus.

Im Jahre 1937 stand der Flughafen Halle/Leipzig in der Rangliste der verkehrsreichsten Flughäfen Deutschlands an vierter Stelle. Sechs ausländische Fluggesellschaften flogen ihn regelmäßig an, mehr als vierzig Flugzeuge pro Tag starteten in Schkeuditz. Diese Entwicklung beendete der Zweite Weltkrieg abrupt. In Schkeuditz wurde am 1. September 1939 der zivile Flugverkehr eingestellt und von der Luftwaffe übernommen. Die Lufthansa-Werkstätten am Platz und ein Zweigwerk der Siebel-Flugzeugwerke produzierten für den militärischen Bedarf. Am 16. April 1944 zerstörten alliierte Bomber einen großen Teil der Anlage, darunter auch das Restaurantgebäude.


Zeitverlauf

  • 1. September 1926: Erster Spatenstich in Schkeuditz.
  • 20. März 1928: Gründung der Flughafengesellschaft Halle/Leipzig mbH, deren Anteilseigner u.a. die Stadt Halle, der preußische Staat und das Deutsche Reich waren.
  • 1928: Eine 400 Meter lange Betonpiste wird angelegt.
  • 24. August 1928: Erste Starts und Landungen in der Nacht.
  • 1930: Erste Nachtflugstrecke von Berlin-Tempelhof nach Schkeuditz.
  • Mai 1933: Hans Wittwer, Architekt des Flughafen-Restaurants, verliert nach der nationalsozialistischen Machtübernahme sein Lehramt an der Burg Giebichenstein. Auch die weitere Flughafenplanung kann er nicht fortsetzen.
  • 24. Juli 1937: Richtfest für das neue Abfertigungs- und Verwaltungsgebäude.

Illustration: Flughafen Halle-Leipzig, ca. 1931
Flughafen Halle/Leipzig, ca. 1931
Illustration: Restaurant am Flughafen Halle-Leipzig, ca. 1931
Restaurant am Flughafen Halle/Leipzig, ca. 1931

 
Illustration: Flugzeughalle am Flughafen Leipzig-Halle
Flugzeughalle am Flughafen Leipzig/Halle
Illustration: Streckenflugplan der Lufthansa, Sommer 1938
Streckenflugplan der Lufthansa, Sommer 1938

 
 

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